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Schon vor 5 000 Jahren vergoren die Ägypter gemahlenes Getreide und setzten diesem Ur-Bier halluzinogene Nachtschattengewächse wie Bilsenkraut oder Alraunwurzeln hinzu. Gleichzeitig saßen in den Steppen Kleinasiens skythische Nomaden in ihren Schwitzhütten, inhalierten den Rauch von Hanfblüten und sprachen mit ihren Geistern und Ahnen. Etwas weiter nördlich versetzten sich sibirische Schamanen in göttliche Trance, indem sie Fliegenpilze in großen Mengen verzehrten. Derselbe Pilz soll sich auch im heiligen indischen Soma befunden haben, an welchem sich die Götter labten, um die Erde zu erschaffen. Und es gilt als sicher, dass die Weissagungen der griechischen Orakel, von Delphi bis Olympia, erst begannen, nachdem sich die Priester entsprechend in Trance versetzt hatten. Nur über die Wahl der Mittel scheiden sich die Geister. Kandidaten gäbe es mehrere: Mutterkorn, Bilsenkraut, Alraune, halluzinogene Pilze, ja sogar vulkanische Methan-Ausdünstungen ... Orakel9eheimnisse wurden leider niemals aufgeschrieben. Um ein anderes, überaus berauschendes Mittel wurden weniger Geheimnisse geschmiedet: den Wein. Erst exotisches Mitbringsel von den Feldzügen gegen die Perser, schufen die einfallsreichen Griechen mit Dionysos zu Ehren des betörenden Saftes eine eigene Gottheit und sorgten somit via Rom für den weltweiten Siegeszug des Alkoholkonsums. Auch das aus dem Schlafmohn gewonnene Opium war den Griechen wohlbekannt. Es gehörte zu den vertrautesten und am häufigsten eingenommenen Mitteln dieser Zeit. Bis nach Persien und Indien schätzte man seine schmerzstillenden, beruhigenden und halluzinogenen Eigen-schaften. Das Opium war ein wahres Allheilmittel. Es nahm selbst die stärksten Schmerzen, beruhigte Maniker, entzückte die Depressiven, stoppte die Volkskrankheit Durchfall und öffnete, so man genug davon einnahm, die Pforten zum Paradies. Dass es, wie der Alkohol, zur Abhängigkeit führt, war schon immer bekannt. Doch der heilige Zweck heiligte das Mittel. Damals wie heute.

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Die größten Trunkenbolde
Schon lange bevor der Mensch unseren Planeten betrat und sich neben den wirklich überlebenswichtigen Dingen wie Nahrungssuche und Vermehrung für die Berauschung zu interessieren begann, hatte das Tierreich schon die Freuden der Bewusstseinstrübung entdeckt. Dies belegen zahlreiche Filmdokumente, beispielsweise von Elefanten und Vögeln, die sich so lange an vergorenen Früchten verköstigen bis sie sturzbetrunken durchaus menschliche Verhaltensmuster annehmen. Offensichtlich sorgt der Rausch auch bei den Tieren für Glücksgefühle. Wann und wo die Ursprünge der menschlichen Nutzung alkoholischer Getränke liegen, lässt sich nicht genau rekonstruieren. Es scheint, als ob die Kunst, aus zuckerhaltigen Pflanzen Alkohol zu gewinnen, an verschiedenen Orten der Erde unabhängig voneinander entwickelt wurde.
Bacchus hab'auf entlegenen Felsen ich, glaubt mir's, ihr Späteren, Lieder lehren geseh'n, lernende Nymphen auch die gespitzten Ohren von bocksfüßigen Satyrn. Himmel, mir bebt noch der Sinn von dem eben Erlebten, voll von Bacchus die Brust fühle ich taumelnde Freude, Himmel, geh schonend um. Fruchtbarer, mit deinem wirkmächtigen Thyrsusstab. Singen muss ich seitdem von wild nie ermüdenden Thyaden, davon, wie Wein aus den Quellen fließt. Horaz (65-8 v.Chr.)
Die Weinrebe (Vitis vinifera) hat ihre botanische Heimat in Zentralasien. Im persischen Godin Tepe wurden 5 50o Jahre alte Weinkelche entdeckt — Hinweise auf die wohl älteste Weinkultur überhaupt. Über Kleinasien hat sich die Kunst des Weinbaus in die Kulturen Europas und des Vorderen Orients aus-gebreitet. Das alte Ägypten entdeckte die Herstellung und Wirkung des Alkohols in der i. Dynastie (2900 bis 2660 v. Chr.). Er war eine beliebte Grabbeigabe. Es wird berichtet, dass an der Mannigfaltigkeit der gebotenen alko-holischen Getränke kein Mangel herrschte. Wie ein Blick in die Speisenliste der Gräber zeigt, wurden schon für den Verstorbenen nicht weniger als sechs Sorten Wein und vier Sorten Bier beansprucht.
Antike Suffkulturen
Auf denn, Seliger, Verzückter, zu den Trank-opfern heiliger Tugend! Seliges Ende geselle dem Leben. Orphischer Hymnos
Die Griechen und Römer verehrten den Wein in besonderem Maße. Er wurde zu einem Luxusgetränk der Reichen und zum Sakrament ekstatischer Götterverehrung, wie euphorische Autoren schwärmend berichten, während böse Zungen nüchtern feststellen, zu dieser Zeit seien die ersten Suffkulturen entstanden. Im griechischen Dionysos-Kult kommt dem Wein eine zentrale Rolle zu. Dionysos, Sohn des Zeus, lebte einst in der griechischen Ostprovinz Thrakien, die als eine Art Zonenrandgebiet und Pufferzone zu den feindlichen Barbaren im Osten angesehen wurde. In seiner als etwas rückständig belächelten thrakischen Heimat noch allgemein recht un-spektakulär als Naturgott angesehen, wurde Dionysos in der versnobten, zivilisierten griechischen Welt der Antike zu einem Gott des Rausches, der Drogen, der sexuellen Ekstase und Fruchtbarkeit hochstilisiert. Im Namen des Dionysos wurden rauschende Feste mit Musik und Theateraufführungen veranstaltet: Die Anthesterien im Frühjahr und die Dionysien nach der Lese und dem Einkeltern der Trauben. Es scheint, als hätten die Griechen (und später die Römer) den thrakischen Anti-helden geradezu herbeigesehnt. Einen Anarchisten göttlicher Abstammung, der Lustgewinn und Vergnügen pries — ein dramatischer Bruch mit den intellektuellen Mythen und ge-sellschaftlichen Konventionen der Alten, die der Dionysos-Verehrung entsprechend kritisch gegenüberstanden. Dionysos ein antiker Hippie? Nüchtern betrachtet, sicherlich kein schlechter Vergleich.
Wehe denen, die die kluge Narrheit begehen und Wasser trinken! Inschrift am »Weinfass des Epigonus«

Hanfsamen
Zweifelsohne hatte die griechische Dionysos-Verehrung Vorbildfunktion für die rasche Ausbreitung des Weines und Alkoholismus in Rom. Aus dem griechischen »Oinos« wurde »Aqua vitae« und Dionysos wurde Bacchus genannt, ansonsten ähnelten sich die Verhaltensweisen der dem Weine zusprechenden Menschen augenfällig. Sie ritualisierten, sich auf Gott berufend, ihre Trinkgelage, welche sie Symposien (das Zusammentrinken) nannten. Ein Symposion hatte für gewöhnlich einen Leiter, den so genannten Magister (Mei-ster), der für die Dosierung und Mischung des Weines mit Wasser und auch die Zugabe diverser psychoaktiver Kräuter wie Alraune, Bilsenkraut oder Efeu verantwortlich war. Bevor Symposien mit der Besinnungslosigkeit aller Teilnehmer endeten, ging es häufig reichlich frivol zu, denn neben dem für die Berauschung verantwortlichen Dionysos verehrte man besonders den Liebesgott Eros.
Es ist ein Segen darin Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott! Herr der Welt, der Du die Frucht des Weinstocks erschaffen hast! Jüdischer Segens- und Dankspruch
Natürlich nimmt sich auch die Bibel ausgiebig dem menschlichen Streben nach alkoholischer Berauschung an, wobei sie einerseits der Trunksucht mit wenig Wohlwollen begegnet, andererseits aber doch einräumen muss, dass der Allmächtige selber den Rebensaft sehr schätzt. „Wehe denen, die früh am Morgen schon dem Rauschtrank nachjagen, die bis tief in die Nacht der Wein erhitzt. Da hatten sie Gelage mit Laute und Harfe, mit Handpauke und Flöte und Wein; aber das Werk des Herrn beachten sie nicht, und das Tun seiner Hände sehen sie nicht", heißt es im 5. Kapitel des Buches Jesaja, der 6o Kapitel später
Gott zitieren muss: „Wie man sagt, wenn Saft in der Traube sich findet. Verdirb es nicht, es ist ein Segen darin!" Dieser Gegensatz sollte sich als weinroter Faden durch die weitere Kirchengeschichte ziehen. Der Bacchus-Kult wurde offiziell verboten und vergorener Traubensaft als Symbol des Blutes Christi zur Ri-tualdroge der römisch-katholischen Kirche. Freilich in Mengen, die — im Unterschied zu den Symposien — über einen symbolhaften Charakter kaum hinauskamen. Sei es nun aus Sparsamkeit der Kirche, Eigenbedarf der klösterlichen Weinbauern und Gottesvertreter oder eben den unerwünschten Folgen allgemeinen Trinkvergnügens. Doch Dionysos und Bacchus blieben auch ohne kirchlichen Segen den Menschen treu: In Trinksprüchen, auf Grabsteinen und als Schutzheilige des Weinbaus, der sich als Kulturfolger des römischen Imperialismus bis nach Germanien ausbreitete. Die ersten Weinberge auf deutschem Boden wurden unter Kaiser Aurelius Probus etwa um 280 n. Chr. an Rhein und Mosel angelegt. Auch Karl der Große war ein großer Freund des Weins und verabschiedete zahlreiche Gesetze und Verordnungen, die den Weinbau förderten. Hinter dem Limes blieb Wein jedoch lange Zeit exotisch und weitge-hend unbekannt. Dort brauten die Germanen aus Honig und Kräutern ein bierartiges Getränk, welches sie Met nannten. Erst im Jahre 1037 brachte der Bischof von Meißen die ersten Weinstöcke nach Thüringen. Vielleicht wurde er deswegen zum Heiligen Benno.
Der Weinstock trägt drei Trauben, die erste bringt Sinnenlust, die zweite den Rausch, die dritte das Verbrechen.
Epiktetos (50-140 n. Chr.)
Blume der Verzückung
Hanf (Cannabis sativa),
Hanfgewächse (Cannabinaceae): hem pe, knaster, gras, hemp pot, weed, mary jane (englisch), bhang, charras, Banja, sidd hi, parvati (indisch), al haschisch (arabisch), qunnubu (assyrisch), dagga (südafrikanisch), la mona, hierba santa, marijuana (spanisch), maconha (brasilianisch), habibabli, kif (ma-rokkanisch), anascha (russisch), da hob herb (jamaikanisch) Ein Weintrinker, ein Opiumesser und ein Haschischraucher kamen einst nach einer Wanderung an das schon verschlossene Tor einer Stadt. Der Trinker fluchte lautstark und polterte an das Tor. „Lass gut sein", sprach der Opiumesser. „Wir warten hier, bis wieder geöffnet ist." Der Haschischraucher nahm ein paar tiefe Züge und sprach: „Lasst uns doch versuchen, durch das Schlüsselloch zu schlüpfen!" Orientalisches Märchen
Hanf ist eine der vielseitigsten Nutzpflanzen der Menschheit und wurde wegen seiner hochwertigen Fasern schon vor 6 000 Jahren in China angebaut. Die berauschenden Eigenschaften des Hanfs ließen ihn zu einer der wichtigsten kultisch genutzten Pflanzen Asiens werden. Pollenanalysen in den Gräbern von Amenophis IV. und Ramses II. datieren die frühesten Hanfanwendungen in Ägypten auf das 2. Jahrtausend v. Chr. Hanf wurde in der rituellen Totenverehrung und als Beruhigungs-mittel eingesetzt. Die koptischen Christen in Ägypten glauben, dass es sich bei dem biblischen, heiligen »grünen Kraut auf dem Felde« um Cannabis handelt, welches einst auf dem Grabe Salomons gewachsen sein soll. Darauf beruft sich die im 20. Jahrhundert auf Jamaika entstandene Rastafarian-Bewegung und sieht im Hola Herb das wichtigste Sakrament. Besonders im indischen Raum wird Hanf (Bhang) als »Blume der Verzückung« und Lieblingspflanze Shivas bis heute verehrt. Den hinduistischen Sadhus, den Bettelmönchen Indiens und Nepals, ist der Genuss von Haschisch (Charras) heilig und vom indischen Gesetz bis heute ausdrücklich gestattet. Die meisten Sadhus verbringen ihre Tage und Nächte mit nichts anderem, als ihr Chillum, ein konisches Rauchgerät aus Holz oder Stein, mit Hanf zu füllen und zu rauchen.
Aus dem Leben des 567 v. Chr. im nepalesischen Lumbini geborenen Religionsstifters Siddhartha Gautama wird berichtet, dass er sich auf seiner Wanderschaft von einem Hanfkorn täglich ernährte, bis er vor Erschöpfung zusammenbrach. Von einer Hirtentochter ließ er sich wieder aufpäppeln, zum Spott der anderen Asketen. Alsdann meditierte er unter einem Feigenbaum, bis er überirdisches Licht sah und zu Buddha, dem Erleuchteten, wurde. In tantrischen Ritualen wird die Hanfpflanze als die Göttin Vijaya, die Siegreiche, verehrt: Der göttliche Trank Ambrosia besteht aus Hanfblättern oder — weit besser — aus weiblichen Hanfblüten (Ganja) und schwarzem Pfeffer, welche mit Wasser in einem Steinmörser zerrieben werden. Auf ein Yantra (aus Kreis, Dreieck und Quadrat bestehendes Ritualdiagramm) gestellt, wird das Gemisch durch Sprechen von Beschwörungsformeln (Mantra) zum heiligen Trank. Bhang, das unter hinduis-tischen Pilgern bis heute beliebte und in den zahlreichen indischen Wallfahrtsorten angebotene hanf- und joghurthaltige Getränk, ist die moderne Form des heiligen Ambrosia.
Al Haschisch — das Kraut
Das Haschisch macht gottgleich; indem der Rauch die Augen des Leibes trübt, erleuchtet er die der Seele. Gerard de Nerval in »Le Vo-yage en L'Orient«, 1857
In Arabien wurde Hanf schlicht Al Haschisch, das Kraut, genannt und stand in Konkurrenz zu dem im muslimischen Glauben verpönten wie bei den Menschen gleichermaßen verehrten Alkohol. Obwohl der Koran im Grunde alle berauschenden Mittel ablehnt, hält sich bis heute — nicht nur bei eingefleischten muslimischen »Häschischi« — hartnäckig die Ansicht, dass Allah beim Haschisch beide Augen zudrücke. Die enge Verbindung des Hanfs mit den arabischen und islamischen Kulturen des Orients lässt sich aber durchaus erklären. So liegt die Wiege der Hanfpflanze in den zentralasiatischen Steppen Kasachstans und Usbekistans, Gegenden in denen auch heute nicht viel mehr wächst als das unverwüstliche Kraut. Den dort lebenden Menschen ist nur schwer zu vermitteln, dass der Allmächtige ausgerechnet die Verwendung des allgegenwärtigen Hanfs untersagt. Arabische Händler kümmerten sich wenig um religiöse Vorgaben und sorgten schon im Altertum für die Verbreitung des Hanfs in Afrika. Alsbald hatte das Kraut als Heilpflanze und Rauschmittel den gesamten ost-, zentral- und südafrikanischen Raum erreicht.
Die Hanfstrafe der Balouba
Der Forschungsreisende Hermann von Wißmann (1853-1905) besuchte die Balouba, einen Bantu-Stamm im ehemaligen Belgisch-Kongo, sowie die ihnen unterworfenen Stämme. In einem Bericht erwähnt er, dass im Jahre 1888 Kalamba-Moukenge, der Häuptling der Balouba, die alten Fetische öffentlich verbrennen ließ. Die Anbetung der überkommenen Idole ersetzte dieser durch ein neues Ritual, dessen wesentlicher Bestandteil das Rauchen von Haschisch war. Zu allen wichtigen Anlässen, wie etwa an Feiertagen, dem Abschluss eines Vertrags oder einer Allianz, rauchen die Balouba Hanf aus Kürbissen. Hanf wird jedoch auch zur Bestrafung benutzt. Der Delinquent wird dazu gezwungen, eine besonders starke Portion zu rauchen, bis er das Bewusstsein verliert. Die Leute sprachen dem Hanf mit einer solchen Leidenschaft zu, dass sie sich schließlich selbst Bena-Riamba nannten, was in ihrer Sprache »Die Söhne des Hanfs« bedeutet.
Club des Hachichins
Ich bin des Dichters Pfeife, und genau Siehst du an mir, sie stammt aus fremden Fluren Von meines Herren Leidenschaft die Spuren: Dass er ein Raucher ist, trag' ich zur Schau. Charles Baudelaire (1821-1867)
Afrikanische Sklaven und indische Immi-granten sorgten für die Einbürgerung der Ganjapflanze in der Karibik und Lateinamerika, während die Briten Nordamerika großflächig mit Faserhanf bepflanzten, um den Stoffbedarf der königlichen Kriegsflotte für Segel und Taue zu befriedigen. Türkisches Haschisch erreichte im 18. und 19. Jahrhundert Europa und etablierte sich neben dem Opium besonders in Künstlerkreisen. Literaten, Musiker und Maler ließen sich gleichermaßen inspirieren und gründeten 1864 in Paris den berühmten Club des Hachichins. Unter ihnen Charles Baudelaire (1821-1867, »Das Gedicht vom Haschisch«), Alexandre Dumas (1802-187o, »Der Graf von Monte Christo«) und Arthur Rimbaud (1854-1891, »Das trunkene Schiff«). Inzwischen ist der Klub der Haschischraucher groß geworden. Heute konsumieren weltweit etwa 30o Millionen

Über Wein und Hanf
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